17.11.2018   Tagesanbruch am Dämon an der Grube

Im Hinterland des bekannten Aussichtsfelsens Bastei gibt es rund um die Felsenwelt des Wehlgrundes und des Raaber Kessels einige Fotospots, die v.a. zum Sonnenaufgang schöne Motive bieten. Einer dieser klassischen Aussichtspunkte befindet sich am Kletterfelsen Höllenhund hoch über dem Raaber Kessel. Der Felsen wurde 1905 durch die bekannten Bergsteiger Rudolf Fehrmann, Oliver Perry-Smith und Artur Hoye erstmals bestiegen. Fehrmann nannte die Felsnadel "Höllenhund" nach dem dreiköpfigen Höllenhund Kerberos, der als "Dämon der Grube" den Eingang zur Unterwelt bewacht, damit kein Lebender eindringt und kein Toter herauskommt. Damit wäre auch der Titel des Blogeintrages geklärt. Der Wetterbericht sah für Sonnabend früh gut aus: Nachttemperaturen unter 5°C, kaum Wolken, Windstille und eine Luftfeuchtigkeit von fast 100% - perfekte Bedingungen für den bekannten Elbtalnebel. Als ich gegen 6:00 Uhr am Basteiparkplatz loslief schlugen vor mir schon zwei andere Fotografen den Weg in den Busch ein - im Laufe des Morgens sollten sich dann letztlich sechs Fotografen am Höllenhund versammeln und so wie die Lichter von der Bastei rüberleuchteten waren auch dort einige Frühknipser unterwegs. Gleichwohl war es ein sehr erhabender Morgen. Der Nebel lag wie erwartet über dem Elbtal, reichte bis in die Seitentäler hinein und umspielte die Felsen von Feld- und Honigstein. Tief unter mir grüßten im Amselgrund die ersten Lichter der kleinen Siedlung Rathen, der Lilienstein ragte aus dem Morgennebel empor und am Horizont kündigte der rote Streifen den bevorstehenden Sonnenaufgang an.

Eine halbe Thermoskanne Tee und etwa 10 Kekse später zeigte sich dann nach viertel acht im Osten der rote Sonnenball, der langsam über dem Gamrig aufging. Die Sonnenstrahlen brachten den Nebel in Bewegung, warfen Schatten ins Landschaftsbild und zauberten ein sehr zartes Gegenlicht hervor. Es waren genau diese Momente, welche die Magie der Sandsteinfelsenwalt ausmachen. Im Wechsel zwischen genießen und fotografieren verbrachte ich noch eine knappe Stunde am "Dämon über der Grube", trat dann den Rückweg an und saß wenig später mit frischen Brötchen wieder zu Hause am Frühstückstisch. 

awakening
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04.11.2018   Kurzausflug auf Sachsens unbezwungene Festung

Hoch über dem Elbtal thront mit der Festung Königstein eines der sicher bemerkenswertesten Bauwerke Sachsens. Ich habe gerade mal geschaut: mein über viele Jahre zusammen geknipstes Archiv der Festung umfasst über 500 Fotos - trotzdem zieht es mich immer wieder dort hoch. Gern auch in Familie wie an diesem Sonntag im November, zumal das Wetter keine Anstalten machte, sich der Jahreszeit gemäß in Richtung nass und kalt zu entwickeln. Ein Teil des Rundgangs an der Südseite war wegen Bauarbeiten gesperrt, deshalb ging es über die Kriegskaserne I zum Aussichtspunkt Königsnase. Zugegeben: da bin ich auch noch nicht so oft lang gelaufen, meist nimmt man ja doch klassisch den Rundweg außen rum. Was gab's sonst: schöne Ausblicke mit feiner Laubfärbung und deftige Kartoffelsuppe zum Mittag - passt!


03.11.2018   Auf den Spuren der Steinbrecher

Die Sandsteingewinnung hat über Jahrhunderte hinweg das Wirtschaftsleben der Sächsischen Schweiz bestimmt. Mächtige Bruchwände säumen noch heute zahlreiche Bereiche des Elbtals zwischen Schmilka und Pirna. Zwischen Posta und Rathen befanden sich am linken Elbufer einige Brüche, die mind. seit dem 14. Jahrhundert betrieben wurden. Von hier stammten v.a. feste und damit für Bauwaren geeignete Sandsteine. Die helle Farbe der Bruchwände hat auch den Namen "Weiße Brüche" geprägt. Seit Anfang der 1990er Jahre erschließt ein Steinbruchpfad dieses Areal. Die Verbindung von Natur und Industrierelikten finde ich nicht nur historisch, sondern auch fototechnisch hochinteressant, so dass ich hier schon mehrfach unterwegs war. Ausgangspunkt der Lauferei ist Dorf Wehlen, an der Wilkeaussicht vorbei ist man in etwa 20 Minuten im Bruchgebiet.

Ein großer Seilrollensockel einer alten Bergbahn und alte Gleisreste markieren den nun beginnenden interessanten Teil des Pfades. Im Bereich des Schreckenbachschen Bruchs hat der Nationalparkführer Andreas Bartsch schon seit den 1980er Jahren diverse Hinterlassenschaften der alten Steinbrecher zusammengetragen und in einer Art Freilandmuseum arrangiert. Parallel hat er mehrere Wegsteine aufgestellt, welche die Entstehung und den Abbau des Sandsteins quasi als Modell auf eindrucksvolle Art darstellen. Immer wieder öffnet sich auch der Blick ins Elbtal, auf dem Anfang November die "Pirna" noch einsam flussaufwärts schipperte. Am Ende des kurzen Wandernachmittags wartete dann noch der Dämmerungsblick von der Wilkeaussicht auf's Wehlstädtel.